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ZuKi – April / Mai 2025

ZuKi 04/05 - April / Mai 2005

Zur neuen Ausgabe: Archiv

Im Januar dieses Jahres bekam ich eine Information aus dem Landesamt für Denkmalpflege, dass wir als Kirchgemeinde eine Reliefintarsie „Christus im Grabe“ in Dresden abholen können. Ich war neugierig und fuhr gleich in der folgenden Woche selbst hin. Direkt an der Brühlschen Terrasse konnte ich das Kunstwerk entgegennehmen und war begeistert von „Christus im Grabe“. Es ist für mich das perfekte Meditationsbild in der Passionszeit. Im Blätterwerk versteckt finden wir die Leidenswerkzeuge Christi wie eine Leiter, das Kreuz des Engels, die Geißel, die Geißelsäule, eine Zange, die Dornenkrone mit Hahn und Essigschwamm, ein Hammer sowie ein Nagel. Oben ist im Schriftband in lateinischer Sprache zu lesen: Jesus von Nazareth König der Juden. Ganz unten in der Mitte befindet sich ein weiteres Schriftband mit der Aufschrift „INRI“. Mir kamen Verse vom vierten „Gottesknechtslied“ aus dem Propheten Jesaja Kapitel 53 (4+5) in den Sinn: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Die Reliefintarsie wurde vor einem reichlichen Jahr nach Dresden geholt. Zuerst wurde sie gereinigt. Danach gab es eine Stickstoffbehandlung zur Bekämpfung eines aktiven Befalls durch holzzerstörende Insekten. Frau Laura Münster fertigte eine hoch interessante Seminararbeit über das Kunstwerk an, die auch in Buchform erschienen ist. Das Thema der 90 Seiten ist: Kunsttechnologische und konservatorische Untersuchung der Reliefintarsie „Christus im Grabe“. So genau wie von Frau Münster wurde das Kunstwerk gewiss noch nie untersucht. Akribisch ist alles aufgelis tet – z.B. auch die mit Intarsien gefertigte Blutspur an Jesu Leichnam. Spannend war zu lesen: Einen Hinweis auf die … Herkunft des Kunstwerkes gibt eine fast identische Reliefintarsie mit dem Namen „Christus im Grab“ im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart. Diese wurde Adam Eck zugeschrieben und ist um 1650 datiert. Ausgehend von der Annahme, dass es sich bei den Verfertigern um die Werkstatt Eck handelt, ergibt sich eine Datierung in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Somit haben wir es bei dieser Reliefintarsie mit einem mehr als 360 Jahre alten Kunstwerk zu tun. Noch spannender ist das, was unterhalb der Grablegung in lateinischer Schrift zu lesen ist. Es sind zwei Verse aus dem Römerbrief (6,3+4): „Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ Mit meinen Worten würde ich es so umschreiben: Durch die Heilige Taufe sind wir nicht einfach Kirchenglieder geworden, sondern in das Geheimnis vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn und Heilands Jesus Christus aufgenommen und verwandelt worden. In diesem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine frohmachende Osterzeit.

Ihr Pfarrer Michael Tetzner

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