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Kirche Benndorf

Letzte Änderungen: 28. November 2021

 

Kirche in Benndorf

Fotos: P.Ruf

Wer in die Kirche in Benndorf kommt, ist sofort überwältigt von dem prachtvollen Schnitzalter. Er stammt aus dem Jahr 1506 und wurde in der Altenburger Schnitzer-Werkstatt von Jacob Naumann gestaltet.

Fotos: P.Ruf

Der Altar hat einen Mitteschrein und zwei Flügel mit geschnitzten Figuren. Im Mittelpunkt steht Maria mit dem Kind auf einer Mondsichel stehend. Dies ist ein beliebtes Bild in der christlichen Darstellung.   Sie geht zurück auf eine Vision in der Offenbarung 12, Dort heißt es am Anfang:

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“

Dies apokalyptische Frau wurde bereits im 12. Jahrhundert mit Maria gleichgesetzt. Umrahmt ist Maria von Heiligen und Aposteln. Links von Maria steht der Heilige Georg, der einen Drachen tötet. Und rechts wird die Heilige Barbara dargestellt, erkennbar mit dem Turm in der Hand. Denn ihr Vater hatte sie in  einen Turm einschließen lassen. Sie steht auf einem Mann, der als Jude kenntlich ist – es soll den Sieg der Kirche über das Judentum darstellen. Eine damals leider übliche Darstellung, durch die das Judentum geschmäht wurde.
Der Altar wurde 2015 gründlich gereinigt. Die 1979 gestohlenen Figuren der Predella (Altarsockel) – Krippe mit den Heiligen drei Königen – wurden vor einigen Jahren durch neue ersetzt, die der Holzbildhauermeister Hartmut Rademann aus Schwarzenberg geschnitzt hat.

Benndorf wurde wie viele Dörfer in der Umgebung durch Wiprecht von Groitzsch um 1200 von fränkischen Siedlern gegründet. Bereits 1216 wurde das erste Mal Benndorf erwähnt. Aus dieser Zeit ist das romanische Kirchschiff noch teilweise erhalten, was Baubefunde bei den Renovierungsarbeiten ab 1981 ergab. 1352 wurde dann der gotische Altarraum angebaut und geweiht. Die große Umgestaltung erfolgte dann um 1500, bei dem das Kirchenschiff um vier Meter verlängert, der spätgotische Schnitzaltar aufgestellt und der Turm errichtet wurde. Bis 1524 unterstand die Kirche dem Patronat, also der Schirmherrschaft des Bergklosters in Chemnitz. Früh hat sich in Benndorf die Reformation durchgesetzt. Bereits 1524 legte der letzte katholische Priester sein Amt nieder und die Gemeinde wählte sich eigenmächtig einen evangelischen Pfarrer. Danach wurde der Pfarrer vom Rittergutsbesitzer bestimmt, später vom Kirchenvorstand gewählt. 1974 starb der letzte eigenständige Pfarrer von Benndorf.

Fotos: R.Müller

Seit dem wird die Gemeinde vom Pfarrer in Frohburg mit versorgt, seit 1999 war sie Teil des Kirchspiels Frohburg und gehört seit 1. Januar 2020 zum Kirchspiel Kohrener Land-Wyhratal.

In der Kirche ist noch die Patronatsloge, in der der Rittergutsbesitzer mit seiner Familie beim Gottesdienst saß, zu sehen. Die erste Orgel erhielt Benndorf im Jahr 1700. Bei der grundlegenden Renovierung im Jahr 1863 wurde die Orgel durch den bekannten Bornaer Orgelbauer Urban Kreutzbach erneuert und umgebaut. Aus dieser Zeit stammen auch die Kanzel und der Taufstein. 1993 ist die Orgelempore vorgezogen worden. So entstand darunter ein Gemeinderaum mit Fußbodenheizung, der vor allem als Winterkirche benutzt wird.
Durch die Glasfront bleibt der Blick auch im Winter auf den Altarraum erhalten.

1979 bis 1980 musste der Kirchturm gründlich erneuert und die verfaulten Balken ersetzt werden – denn Benndorf hat den schiefsten Turm in der Umgebung. Nun begrüßt er – wieder stabil – die Besucher von Benndorf und wartet aber auf eine erneute Renovierung. Aber die Turmfalken und die Schleiereulen sind hier gerne zu Hause und nisten jedes Jahr dort.

Wer die Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten besichtigen will, kann sich an Familie Müller in Benndorf  wenden, Tel.: 034348 51677

Peter Ruf nach Unterlagen von Rudolf Müller und Christine Telling